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Lichterfelde Süd - Präsentation 2017

        

        Die Siebziger  -  Die nächste Generation

 

Die Kinder der Nachkriegszeit sind erwachsen geworden und haben nun selbst Kinder und auch in Lichterfelde Süd wächst in den siebziger Jahren

eine neue Generation heran.

 

Man hatte sich mit der Grenze zu Teltow arrangiert. Der Stacheldraht, die Panzersperren, die Wachtürme mit den starken Scheinwerfern auf dem

Dach, die in der Dunkelheit in die Fenster der Wohnungen leuchteten, gehörten für die Generation, die zu Zeiten des Mauerbaus noch zu klein

waren, um die Umstände zu verstehen, einfach dazu. Und so wuchs man behütet zwischen Teltowkanal, S-Bahnlinie und der Grenze zu Teltow-Seehof auf. Die Straßen waren noch nicht so zugeparkt mit

Autos und man konnte immer noch auf ihnen spielen, da man sich ja wie auf einer Halbinsel befand und es keinen

Durchgangsverkehr gab.

 

Südlich der Scholle-Siedlung hatte die Neue Heimat mehrere viergeschossige Mehrfamilienhäuser, ein Altenwohnheim, ein Lebensmittelgeschäft und eine

Reihenhaussiedlung aus dem Boden gestampft.

Einige der Wohnungen waren für die Spinnstofffabrik an der Goerzallee reserviert, so dass dort viele der Nachbarn auch Kollegen waren.

Es gab noch den Hausmeister Hebel, der die dortigen Anlagen in Schuss hielt. Damals fuhr er in den Sommermonaten abends noch selbst mit Traktor und Anhänger

durch die Siedlung um Rasensprenger aufzustellen

damit der Rasen auch nicht vertrocknete. So waren die Grünanlagen immer gepflegt und ansehnlich.

Für die vielen Kinder war es natürlich ein riesen Spaß, auf den langsam fahrenden Anhänger aufzuspringen und so durch die Siedlung chauffiert zu werden.  

Auch bei kleineren Problemen in ihren Wohnungen hatten die Mieter immer einen Ansprechpartner,

denn Herr Hebel wohnte selbst in der Anlage únd war immer präsent. So konnte die eine oder andere Reparatur sofort in seiner Werkstatt ausgeführt werden.

Auch am Wormbacher Weg und an der Schöppinger Straße gab es neue Häuser und auch am Ostpreußendamm waren viele neue Mehrfamilienhäuser mit bis zu

sieben Etagen entstanden. Für die Ordnung, in der nun größer gewordenen Anlage der Märkischen Scholle, sorgten gleich drei Hauswarte.

Die Herren Fuhrmann, Hartmann und Pfeiffer waren für die Pflege und den Schutz der Grünanlagen zuständig. Zusätzlich zum Einzelhandelsgeschäft am

Ostpreußendamm, gab es nun auch im Holtheimer Weg, die von der Neuen Heimat geschaffene und von Familie Muggelberg geführte Möglichkeit einzukaufen.

Die meisten Leute gingen auch zu dieser Zeit noch mit Taschen und Weidenkörben und zu Fuß den Einkauf erledigen.

Es gab einen Kartoffelhändler, der wöchentlich mit seinem Auto seine Waren auf den Straßen anbot und natürlich Bäcker Hartmann,

der sein Geschäft am Ostpreußendamm hatte und nachmittags mit seinem weißen VW Bus durch Lichterfelde Süd fuhr und Kuchen und Brote verkaufte.

Im Sommer gab es auch verschiedene Eiswagen, die zur Freude der Kinder italienisches Eis verkauften.

In der Dorstener Straße gab es die Drogerie Lieberenz, in der die Erwachsenen Drogerieartikel und die Kinder Stinkbomben kaufen konnten.

Am Ostpreußendamm gab es noch immer den Südpol und Ecke Feldstraße den Schwarzen Kater. Aus dem Bierlokal Bergbaude wurde erst 1980 der Birkengarten,

ein kroatisches Restaurant. In der Müllerstraße gab es einen Schuster und in Süd fand man Frisör Schulz, Fleischerei Giseler, Drogerie Schippek und das Tapeten-

und Farbengeschäft Lange.

Auch Cafe Proske gab es noch, dessen Besitzer inzwischen an der Straße auch noch einen Imbisswagen betrieb, wo es neben Wurst und Pommes, auch

Ketchupbrötchen für 20 Pfennige gab. Gleich neben der Eingangstür von "Cafe Proske" gab es hinter einer Glasscheibe einen Straßenverkauf. Hier konnten die

Kinder Brausetabletten für 1 Pfennig, „AlaskaBoy“ ein Plastikstangeneis für einen Groschen, oder den längst in Vergessenheit geratenen Karamellzopf

"Leckerschmecker“ für 30 Pfennige erstehen. Jedes Kinderherz schlug hier etwas höher und so wurde einem der Schulweg zur Giesensdorfer Grundschule noch

etwas versüßt, wenn man vorher sein Sparschwein erleichtert hatte. Neben Proske war der Zeitungsladen Zank und gleich daneben hatte Elektro-Hof seinen zweites

Ladengeschäft. Auch hier drückte man sich die Nase am Schaufenster platt, denn in dem Laden gab es keine langweiligen Kühlschränke, sondern Modelleisenbahnen

von Märklin plus Zubehör, und das zu Preisen, die jedem Modellbahnfan der heutigen Zeit Freudentränen in die Augen treiben würde. Das Kino Odeon gab es nicht

mehr, in den Räumlichkeiten war eine, wie man damals noch sagte, Disco eingezogen. Die schimpfte sich erst Withe Horse, später Tanztenne, Stardust und

Studio 78. In der Lindenstraße hatte Elektro Hof sein Hauptgeschäft, wenige Meter weiter gab es die Bäckerei Lange und gegenüber, wie auch heute noch, die

Linden-Apotheke und den Blumenladen Gottschalk. An der Ecke Ostpreußendamm gab es mit Gebrüder Manns ein weiteres Einzelhandelsgeschäft.

Um vom Berg hierher zu gelangen, konnte man entweder laufen oder nahm den 85er Bus, denn die Straßenbahn fuhr schon lange nicht mehr.

Der 85er, in dem es noch Schaffner gab und man im Oberdeck in langen Reihen saß und rauchen durfte, fuhr die Schwelmer Straße hindurch, um im Ahlener Weg

Endstation zu haben. Durch den Wormbacher Weg, Schöppinger Straße und Dorstener Straße ging es dann Richtung Wittenbergplatz.

Die Lippstädter Straße, durch die er heute fährt, wurde ja erst im Jahr 1980 fertiggestellt. Bis dahin waren dort die Felder der Kali Lehr- und Versuchsanstalt.

Dort konnten die Kinder natürlich immer wieder den einen oder anderen Kohlrabi ernten. Das war natürlich eben so wenig erlaubt, wie das Herumstromern im

blauen Tal und dem angrenzenden Truppenübungsplatz der Amerikaner. Herumstromern ging natürlich auch auf dem freien Feld zwischen Holtheimer Weg,

Ahlener Weg und Westfalenring. Bevor man dort Anfang der Achtziger eine Reihenhaussiedlung errichtete, konnte man hier Höhlen und Hütten bauen

und ganz nach Cowboyart am Lagerfeuer Kartoffeln und Würstchen grillen. Natürlich gab es auch einen von den Jugendlichen selbstangelegten Fußballplatz.

Die Balken, die man für die Tore benötigte, wurden damals oft von Kilometerweit entfernten Baustellen organisiert und auf vielen Schultern herangetragen.

Das notwendige Werkzeug und die entsprechenden Nägel um die Torlatten auf den Torpfosten zu befestigen, wurden meist aus Vatis Hobbykeller ausgeliehen.

Hier wurden die Siedlungsspiele zwischen der "Scholle" und der "Neuen Heimat" ausgetragen. Immer Sonntags, gab es Hin- und Rückspiel.

Der Heimplatz der "Scholle" befand sich am Rand zu den Kali Feldern, etwa dort, wo sich heute der Bolzplatz an der Lippstädter Straße befindet.

So mancher Junge hat sich damals so vom Ballholer zum Stammspieler hochgearbeitet. Die Mädchen spielten lieber Hopse oder Gummitwist.

Gemeinsam spielte man Murmeln oder Völkerball. Zur Schule gingen die Kinder in die Giesensdorfer Grundschule oder in die, 1970 in der Thermometer Siedlung

eröffnete, Mercator Schule. Man wurde aber nicht wie heute von Mutti oder Vati mit dem Auto gebracht, sondern ging zu Fuß oder fuhr mit dem Roller oder dem

Fahrrad. Der Weg zur Mercator Schule führte über den beschrankten Bahnübergang an der Müllerstraße. Hier ließen sich noch vor der Schule hervorragend einige

Pfennigstücke auf die Gleise legen, die dann von der S-Bahn, diese fuhr noch bis Januar 1980, plattgewalzt wurden. Mit diesem plattgefahrenen

Metallstücken, konnte man in der Schule natürlich hervoragend prahlen.

Oder man ließ sich von den sich nach oben bewegenden Schranken ein Stück heraufziehen. In den S-Bahnen saß man auf Holzbänken und das Rauchen war noch in

bestimmten Abteilen erlaubt. Ab 1974 gab es am Ostpreußendamm ein nagelneues Mittelstufenzentrum, mit Stadtbücherei und Jugendfreizeitheim.

Das Freitzeitheim, mit Disco im Keller, war natürlich der Anziehungspunkt für die Jugendlichen. Hier konnte man Billard oder Kicker spielen oder einfach nur mit

anderen herumhängen und Musik hören, die damals natürlich von der Schallplatte kam. Natürlich gab es in den Siebzigern und Achtzigern auch ärztliche Versorgung

in Lichterfelde Süd. Wer krank war, ging zu Frau Doktor Schuchardt, die ihre Praxis in der Feldstraße hatte und selbstverständlich auch Hausbesuche machte.

Ein paar Meter weiter die Feldstraße hinunter, hatte Herr Koß seine Autowerkstatt, in die man vertrauensvoll sein defektes Auto brachte. Abends parkte man in der

Nähe der Werkstatt und warf Schlüssel und Papiere in den dafür vorgesehenen Briefkasten, so konnte die Reparatur am nächsten Tag gleich in der Frühe beginnen.

War das Auto repariert, konnte man es auf einem freien Platz, meist direkt vor seiner Haustür parken. So führte man in den Siebzigern ein beschauliches Leben in

Lichterfelde Süd und die heute erwachsenen Jugendlichen von damals, schauen heute sicher gerne auf ihre Kinder- und Jugendzeit zurück.

 

Michael Schwarz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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